Das Ende der Suchmaschinen?
Ich habe schon viel darüber gelesen, und auch bereits etwas geschrieben. Wolfram-Alpha ist nun endlich online. Von vielen wurde er als der Google-Killer schon gekrönt, bevor die Suche online war, und ohne mehr über die Marke an sich zu wissen. Wolfram, das menschliche Wunder hinter den Kulissen der neuen Wundersuchmaschine, soll laut einigen Experten der Branche, den konventionellen Suchmaschinen den schnellen Tod bedeuten können. Bis heute morgen war ich sehr gespannt, wie man Google, Yahoo und Co. so stark überbieten kann, und wie man soviel besser sein kann, dass man die bisherige Technik vergessen muß.Ich bin enttäuscht!
Das gesamte Ergebnis von verschiedenen Abfragen fällt mehr unter die Rubrik "riesige Wissenssammlung". Ein Crawler, der sich Wissen aus dem Internet parst und als eine Art Wikipedia ohne User darstellt braucht doch kein Mensch. Die Fehlerquoten kann niemand ausgleichen, da keine Community dahintersteht.
Vielleicht darf man gespannt sein, wenn das Alpha hinter dem Namen des Erfinders weggelassen wird, und es sich endlich um eine stable-Version handelt. Aber schon der jetzige Inhalt ist für mich nicht das, was eine Suchmaschine ausmacht.
Wenn ich in eine Suchmaschine wie Google den Namen einer Stadt eingebe, bekomme ich meist einen Link zu Wikipedia, der mir die Daten gibt, die ich auch von Wolfram Alpha erhalte. Dann bekomme ich zu 80% eine Karte der Stadt, verlinkt mit GoogleMaps, eventuell Nachrichten, Bilder oder Blogergebnisse. Nach der offiziellen Seite der Stadt kann man sicherlich auch noch Hotels, Sehenswürdigkeiten und die inoffiziellen Seiten von Fans und Einwohnern der Stadt finden. Bei Wolfram kann ich glücklich sein, wenn ich eine Landeskarte erhalte, auf der verzeichnet ist, wo sich die Stadt befindet.
Böse Zungen könnten sogar behaupten, dass sich die dahinter befindliche Datenbank aus einem Crawler zu ein paar Seiten wie Wikipedia versorgt hat, und diese nun nur ausgeben.
Wo bleibt der Spaß beim Surfen? Ich möchte auch nicht 100% relevante Seiten angeboten bekommen, die mir vielleicht Tipps, Hinweise und Beispiele zu einem Problem geben, das bisher noch nicht so fest dokumentiert sind, dass sie sich in einer Wissensdatenbank befinden. Auch bin ich schon auf Seiten hängen geblieben, weil mich Ansichten gefesselt haben, und Diskussionen und Meinungsaustauschereien mit Spaß im Internet gehalten haben. Wenn Suchmaschinen nicht mehr Seiten, sondern nur Lösungen anbieten, ist das Internet an sich hinfällig. Dann hätte das alte BTX-System völlig gereicht, und der heutige Standard des Internets wäre gar nicht notwendig.
Wenn ich in den Urlaub möchte, und suche nach einem Hotel, so bietet mir Google viele Hotels, Links zu deren Homepages und sogar Meinungsberichte. Selbst bezahlte Adwords kann ich anklicken um die Preise in die Höhe schnellen zu lassen. Wolfram hingegen wird mir sagen, dass ein Hotel ein Gebäude ist, in dem man schlafen kann.
Ich bin enttäuscht!
Der Artikel wurde am 20.05.2009 von Stefan Kremz + veröffentlicht.
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