In meinem Himmel
Normalerweise kann ich gut zwischen Film und Wirklichkeit abschalten. Wenn ich mir einen Film ansehe, mache ich mir manchmal Gedanken darüber wie welche Szene entstanden ist, zumindest bin ich mir fast immer im Klaren, dass es sich um Schauspieler handelt, die einfach nur eine Rolle spielen. Wenn es sich um eine wahre Begebenheit handelt, die nachgespielt wird, muß ich mir das schon sagen, weil ich es einfach nur für einen Film halte. Den Bösewicht in einem Film hält man meist auch nicht für böse, denn er spielt nur seine Rolle. Dennis Hopper hat auf der Oscar Verleihung nach dem Film Speed erzählt, dass eines seiner vier Kinder mal gefragt habe warum er immer die böse Figur in den Filmen spielt. Meist ist man zumindest noch etwas angespannt, während man den Film schaut, und der schlimme Finger des Films immer noch nicht gefasst istIn dem Film "In meinem Himmel" der sich um die 14-jährigen Susie Salmon dreht, die in den 70er Jahren von einem Nachbarn ermordet wird, wirkt die Rolle sehr real. Der Mörder macht die ganze Zeit einen recht widerlichen Eindruck mit seiner Art und Weise, dass man ihm die Rolle sehr gut abkauft. Ich weiß im Moment nicht, ob ich den Schauspieler nun als bisher unbekanntes Schauspielgenie hinstellen soll, oder ob er nur diese Rolle so gut spielen kann. Eigentlich wollte ich den Film zur Hälfte abbrechen, und am nächsten Tag weiterschauen, doch das war in der Spannung gar nicht möglich.
Der Film ist übersäht von Special Effects, welche die Zwischenwelt zeigen, in der sich Susie befindet, und trotzdem wirkt der Film sehr real. Das junge Mädchen war verschwunden, und die Leiche ist niemals aufgetaucht. In diesem Versteck, was der Mörder extra unter der Erde gebaut hatte, um sie zu beeindrucken, hatte er die Tote in einen Safe gesperrt, den er mit nach Hause in seinen Keller genommen hat. Auch später, als ihre Schwester in das grüne Haus des Nachbarn eingebrochen ist durch ein Kellerfenster, stand der Safe dort, und man hofft immer, dass doch irgendwann mal jemand diesen Kasten öffnet, obwohl die Vorstellung schon ziemlich widerlich gewesen wäre. Zum Schluß läßt der Mörder den Safe mit Inhalt in einer Müllgrube, tief im Treibsand, verschwinden, und die Leiche taucht nie wieder auf. Mit jedem Schritt näher an der Grube, die der Safe dorthin bewegt wird, hofft man jedoch, dass irgendetwas das Ganze noch aufhält, damit die Wahrheit ans Licht kommt.
Eine Rolle in die man sich auch sehr gut hineinversetzen kann ist der Vater, der seine Tochter einfach nicht aufgeben will, und sich alle Verdächtigen der Gegend genauer anschaut, jedoch völlig seine Frau vergißt, die mit dem Thema einfach nur Schluß machen möchte, und sich jedoch nicht wirklich von ihrer Tochter verabschieden kann, weshalb sie ihre Familie für eine Zeit verläßt.
Ein sehr trauriger Moment war auch als die kleine Schwester von Susie den ersten Kuss von ihrem Freund bekommt. Es war die kleine Schwester, die nun schon sehr viel älter war als Susie. Zu den Zeiten als Susie noch gelebt hat, war ihre Schwester noch zu klein, und Susie`s erster Kuss war auch noch nicht Realität geworden, sondern nur ein Wunschtraum.

Auch fragt man sich wie denn eine gerechte Strafe für so einen Menschen aussieht, und warum jemand so etwas tut. Beide Fragen kann man wohl nicht beantworten, da ein Mensch nicht für den Tod eines anderen Menschen verantwortlich sein sollte, auch wenn dieser einen Mord begangen hat. Allein beim Vater hätte ich verstanden, wenn er die Kontrolle verloren hätte, und den Mörder auf eigene Faust stellen wollte, und hätte ihm den Mord verziehen. Aber soweit kam es nicht. Zum guten Schluß hat die Natur dem Mörder ein Ende gemacht, nachdem er sich ein anderes Mädchen schnappen wollte. In dem Moment dachte man, dass er das verdient hatte, jedoch wirkte es schon recht surreal. In wahren Leben wäre das purer Zufall gewesen, und hätte sicher jemand anderes getroffen, und nicht gerade den Mörder. Der wäre davon gekommen.
Drama ist eine ziemlich blöde Kategorie, nur sehr selten schaue ich mir Filme aus dieser Kategorie an. Dieser hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen, wenn auch an Traurigkeit. Solche Gespenster nach dem Tod-filme vergleiche ich immer wieder mit "Ghost, Nachricht von Sam", auch wenn ich kein Fan von dem Film bin und war, und ein Vergleich mit so einer Schulze nun wirklich gar nicht möglich ist.
Der Artikel wurde am 10.06.2010 von Stefan Kremz veröffentlicht.
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