Von der Suchmaschine zum Social Media
Es ist wahrhaft immer wieder unglaublich wie sich diese Welt um die digitalen Medien dreht, und wieviele Jobs diese bringen. Früher dachte ich einmal dass eine Suchmaschine nur Entwickler bei Google, Microsoft und Yahoo Geld bringen. Aber weit gefehlt. Diese riesigen Firmen haben eigene Marketing-Abteilungen, bieten Support, Rechnungsstellen und was eine Firma noch so braucht. Aber auch da ist noch nicht Schluß.Zu Beginn des Internets haben sich Besucher per Link im Internet bewegt. Man hat neu entdeckte Seiten meist per Email weitergegeben. Erst mit der Entwicklung von Suchmschinen, die selbst das Internet nach neuen Seiten durchsuchen, und diese in einem Ranking darstellen, wurde dieses unnötig. Meine erste Homepage aus dem Jahr 1999 habe ich erst vor kurzem auf einer CD wiedergefunden, und es kein Vergleich mehr mit den heutigen Versionen.
Allein um die Technologie der Suchmaschine haben sich viele Märkte gebildet, über die wohl niemand mehr eine Übersicht hat, obwohl es schon viele versucht haben. Firmen und Anbieter von Waren und Dienstleistungen möchten über Suchmaschinen gefunden werden, denn über 95% aller Käufe im Internet kommen zustande nachdem über die Ware oder Dienstleistung recherchiert wurde. Weiterempfehlungen und Mund-zu-Mund-Propaganda sind heute Rezensionen, wie man sie von Käufern an die nächsten Käufer auf Preisportalen und großen Shopportalen wie Amazon findet. Meistens helfen diese auch wirklich weiter und manchmal kommt man durch diese auch zu einer Kaufentscheidung.
Doch das war alles nur der Anfang. Von den einen wird Social Marketing hochgelobt, von den anderen nur niedergemacht. Die Meinungen gehen dort sehr weit auseinander. Die einen möchten im Internet lieber anonym sein, die anderen trotz Entfernung wissen was ihre Freunde machen, und sind auch bereit ein Stück ihrer Anonymität aufzugeben.
Man muß sicherlich nicht alles preisgeben, sowieso auch nicht alles wissen. Aber trotzdem ist Social Media eine Revolution. Aktuelle Zahlen von diesen zu lesen ist immer wieder atemberaubend, wenn man weiß wie schwer es ist 70 Besucher pro Tag in einen Blog zu bekommen, oder 2.000 Besucher auf eine Seite über Wellensittiche. Vor allem braucht man Geduld, Wissen aus dem Bereich Suchmaschinenoptimerung, -marketing und Spaß am Thema.
Google war fast ein Jahrzehnt lang die Nummer aller besuchten Seiten auf der Welt. Die Benutzer gingen auf Google um von einer Seite auf die andere zu kommen. Noch heute wird vom Benutzer oft nicht die URL eingetragen in das Adressfeld des Browsers, sondern in das Inputfeld des Browsers. Schon deshalb ist Facebook das meistgesuchte Keyword der Welt. Der Ottonormalverbraucher, der auf die Seiten der Fluggesellschaft Lufthansa möchte, gibt dieses auch in die Suchmaschine ein, und klickt dann zusätzlich noch auf die Adwordwerbung um auf die Seite zu gelangen, denn sie ist farblich hervorgehoben, im Gegensatz zu den organischen Ergebnissen.
Natürlich kommen viele Treffer auf Keywords wie Facebook zusammen, weil die Benutzer des Browsers die Domainendung vergessen, und der Browser die Eingabe nicht als URL, sondern als Keyword für die Suchmaschine versteht, und dementsprechend an die bevorzugte Suchmaschine weitergibt, welche dann bei solchen Keywords dann auf die wahrscheinlichste Seite weiterleitet.
Doch der Markt ändert sich. Suchmschinen werden zwar weiterhin gebraucht, sind nötig, und sind auf keinen Fall wegzudenken. Doch die persönlichen Erfahrungen, Produktempfehlungen und Meinungen kommen immer mehr aus dem Social Media Bereich.
Suchte man früher einen alten Klassenkameraden ging man in ein Netzwerk, das dieses ermöglichte. Suchte man Gleichgesinnte seines Hobbies, so gab und gibt es dafür Foren. Diese werden auch weiterhin nötig, und sind durch ein Format wie Facebook nicht wegzudenken, dennoch gibt es Splittergruppen, Fanseiten und -gruppen zu allen Themanbereichen.
Wieder einmal mehr zeigt sich der Mensch als Herdentier. An einsamen Stränden ist man selten lange allein. Es findet sich immer jemand der seine Liege oder sein Handtuch direkt neben einen legen muß, obwohl Quadratkilometer frei sind. Der nächste macht es wieder genauso. Meistens wollen wir es aber auch gar nicht anders. Wir wollen nur aus der Masse hervorstechen und sagen können, dass wir aber die ersten hier waren, damit sich die Erde wie schon vor Jahrhunderten um die Sonne dreht.
Man sucht nicht mehr anonym nach Inhalten, sondern teilt es mit seinen Freunden und klickt auf Like, um zu zeigen was man mag, und was nicht. Über 3 Millionen Webeiten haben inzwischen einen Like- oder Share-Button einer Social Community, mit dem man mit einem Klick aussagen kann, was man mag oder weitermpfiehlt eingebaut, und es werden täglich Tausende mehr. Auch an den Marketing-Aspekt wird natürlich gedacht, denn jeder Seitenadministrator kann mitverfolgen wie oft ein Button geklickt wurde, wie oft die Seiten sich angeschaut wurden, und wie hoch die Absprung- und Leseraten sind. Inzwischen gibt es ganze Marketing-Firmen, die sich darauf spezialisieren, wie man bei Facebook besser ankommt.
Ob Xing als Geschäfts-Community, Facebook für die private Spaßwelt, Wikipedia für Wissen oder Twitter für Kurznachrichten. Die Popularität war nie größer. Wilde Spekulationen sagen, dass wir schon im Scheitelpunkt dieses Höhenfluges befinden, doch sind wir davon noch weit entfernt. In 2010 hatte der Social-Riese Facebook einen Zuwachs von über 150%.
Wie einflussreich das Internet ist, sieht man bereits an der Zahl, dass 75% aller deutschen Haushalte hat bereits einen Zugang zum Internet haben.
Über 600 Millionen Menschen sind bei Facebook registriert, 200 Millionen nutzes es auch mobil. 15 Millionen Facebooknutzer kommen aus Deutschland. Knapp 50% davon loggen sich täglich ein. Durschnittlich verbringt jeder registrierte Nutzer 30 Stunden pro Monat auf Facebook. Allein an Silvester 2011 wurden bei Facebook über 750 Millionen Bilder hochgeladen.
Twitter hat schon über 106 Millionen Nutzer. Ich selbst bin kein Twitter-Fan, denn ich kann mich nur selten kurz fassen. Täglich werden über 80 Millionen Tweets versendet. Twitter ist eine Art SMS an die Massen, die einem folgen. Warum die einem folgen ist mir noch nicht so ganz verständlich, aber man muß auch nicht alles verstehen.
Ich bin auf jeden Fall gspannt wie sich das alles weiterentwickelt. Natürlich birgt das alles auch Gefahren, aber die gibt es auch wenn man auf die Straße geht. Etwas Vorsicht ist immer geboten, und darüber hinaus sollte man das reale Leben nicht vergessen, das nicht im Internet zu finden ist.
Der Artikel wurde am 31.01.2011 von Stefan Kremz + veröffentlicht.
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