Eine neue Ära des Internets beginnt - IPv4 ist aufgebraucht
Vorgestern wurde nun von der Internet Assigned Numbers Authority (IANA) der letzte Class-C-Block verteilt. IP-Adressen sind also für den Endverbraucher weiter verfügbar, aber Provider und Großabnehmer schauen ab sofort in die Röhre. Die Ära IPv4 hat damit das letzte Stündlein geschlagen.Als das Internet geschaffen wurde, hieß es, dass unser bisheriges Internet-Protokoll-Adressverfahren bis in alle Ewigkeit ausreichen wird. Damals hat aber auch niemand an den Erfolg des Internets gedacht, und welche Möglichkeiten es uns bringen wird online einzukaufen, sich zu unterhalten, oder welche Stellung eine Email eines Tages haben könnte. Nicht nur jeder Server hat heutzutage mindestens eine IP-Adresse, sondern manchmal für jede Domain auf einem Server. Es gibt IP-Kameras, die im Internet eine eigene IP haben, um auf sie zuzugreifen. Jeder Internetanschluß bekommt mit der Einwahl eine IP, so dass der Benutzer identifiziert wird, und die Datenpakete wieder am richtigen Ende ankommen. Das waren nur ein paar Beispiele, und mir fallen noch einige Geräte ein, die eine IP im Internet besitzen bzw. benötigen.
Gesehen hat eine IP-Adresse jeder schon einmal. Sie ist aufgebaut in 4 Zahlenblöcke, welche eine Zahl von 0 bis 254 beinhalten können. Beispiel: 84.200.251.66. Es sind also 255 * 255 * 255 * 255 = 4.294.967.296 Adresse im IPv4-Adressraum.
Internet-Provider müssen protokollieren wann welcher Mensch welche IP hatte, denn eine IP-Adresse wird pro Tag an viele Personen vergeben. Eine IP gibt auch Auskunft über den Einwahlknotenpunkt. Es läßt sich also herausfinden wo sich jemand befindet, solange dieser keinen Proxy befindet. Die wenigsten machen das, denn schnelle, entfernte Proxydienstleister kosten Geld.
Genauso umstritten ist aber das Speichern von IP-Adressen. Auch wenn eine gerichtliche Entscheidung noch aussteht, so muß Google inzwischen einen Anonymizer für sein Google Analytics anbieten. Politiker wissen also mal wieder nicht was sie wollen. Internetprovider sollen die Daten über Benutzervorgänge lange Zeit aufbewahren, aber Internetseitenbetreiber sollen das nicht dürfen.
Es sollte zwar keine Panik entstehen, nur weil nun alle Adressen vergeben sind, denn der Endverbraucher wird davon noch lange Zeit nichts merken, außer man möchte mal eben von seinem Hosting-Provider zehn IP-Adresse aus verschiedenen Class-C Netzten haben. Da schütteln die meisten einfach nur mit dem Kopf. Da muß man meist bei zehn verschiedenen Hosting-Providern einkaufen gehen.
IPv6
Seit 1999 gibt es aber schon das neue IPv6. Es ist größer, schöner, besser, weiter ... aber es ist bisher ungenutzt, und es gibt bisher kaum Geräte die den neuen Adressraum wirklich nutzen können, auch wenn sie dieses bereits vorgeben. Server können das schon seit langer Zeit, was wohl auch erstmal am wichtigsten ist, denn ein Internet aus Clients wäre ziemlich unsinnig.
Nun endlich habe ich mir diese Adressen mal angesehen, und lag irgendwie völlig falsch. Schöner sind sie nicht, aber sehr viel größer. Der Zahlenraum jedes Zahlenblock ist nicht mehr 255, sondern 65536, allerdings hexadezimal um sie weiterhin kurz zu halten. Trotz des Namens IPv6 gibt es nicht 6 Zahlenblöcke, sondern 8.
Die größte IPv6-Adresse ist also folgende: ffff:ffff:ffff:ffff:ffff:ffff:ffff:ffff
Aus den bisher 4 Milliarden möglichen Adressen werden nun 340 Sextillionen. Eine Zahl, die ich vorher noch nie gehört habe. Ich fing an zu rechnen, und mußte mir diese Zahl mal aufschreiben um sie mir vorstellen zu können.
65536 * 65536 * 65536 * 65536 * 65536 * 65536 * 65536 * 65536
ergeben 340.282.366.920.938.463.463.374.607.431.770.000.000 IP-Adressen im IPv6-Adressraum. Die Ungenauigkeit der letzten 7 Stellen bitte ich zu entschuldigen, aber es ist schon spät.
Am 8. Juni 2011 ist World IPv6 Day. Unter anderem werden Google, Facebook, Yahoo!, Akamai, Limelight Networks, Cisco, Meebo, Genius und W3C an diesem Tag den ersten großen Testlauf starten. IPv4 wird noch ein paar Jahre weiterhin existieren um die inkompatiblen Geräte nicht sofort austauschen zu müssen. Trotzdem ist das ein großer Schritt für das Internet.
Der Artikel wurde am 03.02.2011 von Stefan Kremz + veröffentlicht.
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